Brückenkopf im Niemandsland (1988-1990)

Die Ära des Tempos und des technoinformativen Dranges nach Plagiaten hat auch uns ergriffen. Alles ist Kunst und damit kolonisiert. Dieser beliebigen Austauschbarkeit im Zeitalter der Kunst wird hier nun die bewußte und gesteuerte Reproduktion entgegengesetzt. Es geht dabei nicht darum etwas zu zeigen oder zu kreieren. So besuchte ich die ozongeschwängerten Räume von Kopierzentren einzig, um gezielt generativ und seriell Nichts zu kopieren, eben ein absurder Diskurs jenseits der Raster von Original und Fälschung.

Kopiegraphie von Nichts, 2. Serie, 11. Generation, 1988

Wir sehen das Nichts nicht mehr als fragwürdig an, sondern spüren es alltäglich. Wir möchten es nicht mehr missen, da es wertvoller erscheint wie alles um uns herum, wenn es heute auch nichts denkbar erscheint. In dieser mysteriösen Stimmung gerät alles zum nichtigen Schlag, denn die Plastikwelt inszeniert den kosmischen Blackout. Wer war denn nun vor dem Urknall, der das Nichts überging wie eine lästige Marotte?

Kopiegraphie von Nichts, 4. Serie, 28. Generation, 1990

Neue Aufgaben warten auf das Nichts mit der Zeit, die hereinbricht, denn die schwarzen Löchern wachsen mit den Mythen an die Ufer der Genrevolte, wo die Bahnen des Chauvinismus schon fröhlich aus Familienalben grinsen. Doch die Welt des Maya zu entschleifen, kann nur im reinen Nichts gelingen, ein unstrukturierter Raum ohne Ende noch Anfang – und doch kein Raum. Hier versagt noch das Wort; und dann beginnt wieder alles von vorne.

Kopiegraphie von Nichts, 4. Serie, 70. Generation, 1990

Das Schweigen hilft nicht, denn der Urknall gemahnt uns daran, dem Alltäglichen ein schon nicht mehr signifikantes Wohin zu entlocken. Hier hat die Entscheidung für das Nichts anzusetzen. Der Grabraub beginnt. Das Nichts bleibt immer ein geistiges Attentat auf die Nichtigkeit. Dabei kehren sich jedoch Ursache und Wirkung gegenseitig um – ein Schmelztiegel, der sich zyklisch immer wieder öffnet, um alles elementar aufzulösen.

Kopiegraphie von Nichts, 3. Serie, 15. Generation, 1988

Das Absurde will gar nicht absurd sein, aber es ist. Jene Verwicklungen der Begrifflichkeit ufern leicht in ein besessenes Nichts auf, ein Sackgassenverständnis, das nur durch Fragezeichen an jeder realen Lebenskreuzung vermieden werden kann. So strebt das Nichts die Bewegung in einer geraden Kurve an mit einer Beschleunigung die negativproportional zu seiner Masse wirken soll. Gemäß den ungeschriebenen Rätseln der Kosmosgonie gelingt so der Sprung zum wahren Nichtort.

Kopiegraphie von Nichts, 6. Serie, 30. Generation, 1990