Spuren – 10/2020

7. Oktober 2020 (Bahnhof)

Die mir noch nicht vertraute Technik von Polaroid mit den Sofortbildern stellt sich nun als extrem mystifizierend heraus. Ich finde es hierbei faszinierend, auf diese Art ganz neue Dimensionen der Umwelt um mich herum zu entdecken. Noch 359 Tage bleiben mir jetzt für weitere Exkursionen auf derartig verschlungenen Pfaden dieser jetzt noch verborgenen Welten.

14. Oktober 2020 (Werbung)

Wie in Trance durch die verwundete Stadt, wo einige Ladengeschäfte bereits aufgegeben sind. Der Corona Rock’n Roll geht aber unvermittelt weiter, denn eine bodenlose Panik im absoluten Lähmungszustand kriecht nun herum überall. Und die Menschen hinter den grotesken Masken eilen in ihre privat organisierten Exile der Metropole, höchste Zeit nun endlich wieder auf das weite grenzenlose Land zu fahren.

18. Oktober 2020 (Hafenanlage)

Einige Orte sind wie illustre Worte, die nur symbolisch Räume schaffen, gefüllt mit zahllosen Windfetzen der weichen und fernen Subtropen, kryptische Häfen, die sich entlang zeitloser Klippen endlos strecken, jenseits des Fluchs jener Sinne.

25. Oktober 2020 (Zeitung)

31. Oktober 2020 (Serviette)

Seit Anfang Oktober habe ich so manchen interessanten Ort entdeckt oder bekannte Plätze neu gesehen dank der analogen Polaroid-Sofortbildkamera. Klare Fotos zu machen ist aber doch sehr schwierig, weil nur selten einmal die Sonne ausreichend scheint.

Diese achtsame Reise im Alltag (auf 1 Jahr konzipiert) entlang verwischter Spuren und Abdrücken des Lebens verlässt jetzt so langsam die notwendige Testphase, während der Geist von gestern mich vor der Pforte zum Nirgendwo schon konspirativ erwartet für weitere mystische Wanderungen.

 

Texte/Fotos/Grafiken: © Ulli Kattenstroth, 2020.