Auf ewiger Spurensuche

 

In dem sich verästelnden Tunnel des Lebens nun an der Zeit, sich der überall zu findenden Einbahnstrasse zu stellen, denn in jeder Sekunde hinterlassen wir oft unbeachtete und auch unsichtbare Spuren an den vielen Stationen unseres Strebens. In Eile und hastiger Ignoranz werden diese vielseitigen Schnipsel der ausufernden Existenz gern vergessen, aber sie sind überall in unserer Umgebung zu entdecken, ein wirklich phantastisches Puzzle nun ganz neu zusammen zu setzen.

SUP und weg – Foto meiner geliebten Beatrice

Am 1. Oktober 2020 beginne ich daher mein ganz analoges 365-Tage-Projekt mit dem Thema und Ziel Poesie des Fährtenlesens. Ausgerüstet werde ich dabei mit einem Füllfederhalter nebst Photoalbum sowie einer Polaroid-Sofortbild-Kamera sein. Jeden Tag begebe ich mich hinaus an hoffentlich noch unbekannte oder verwegene Orte, und dann versuche ich die dort unsichtbaren Welten oder Zeichen davon mit einem einzigen Polaroid-Sofortbild einzufangen. Die Fährten, die dort deutlich hinführen, liegen vor uns auf der Erde überall ausgebreitet, dort sodann sich hinzupirschen daher das Ziel und Programm.

Das geschossene Polaroid-Photo landet sofort im Album, dazu schreibe ich auf, was ich gerade sehe oder fühle in möglichst poetischen Worten. Für jeden Tag ist eine Seite in beiden Alben mit insgesamt 400 Seiten reserviert, etwaige Fundstücke werden auch dazu geklebt und hinzugefügt für ein Potpourri der alltäglichen Selbstfindungen auf dem Pfad zurück zu den mir bekannten Wurzeln der Zeit. Ein buntes und wildes Tagebuch der Poesie soll dabei entstehen mit ganz traditionellen Mitteln, jedoch nicht im heimeligen Kämmerlein, sondern in realer Bewegung in der geblendeten, zeitgenössischen Außenwelt.

Texte/Fotos: © Ulli Kattenstroth, 2020.